Dinslakens Jugend als „Sparschwein“ der Haushaltskonsolidierung? Die Linke warnt vor den fatalen Folgekosten sozialer Kürzungen
Nach Vorlage des Haushaltsplanentwurfs 2026 der Stadt Dinslaken schlägt die Ratsfraktion Die Linke Alarm.
Um ein Defizit von rund 39,88 Millionen Euro auszugleichen und den Forderungen der Kommunalaufsicht nach einer Haushaltskonsolidierung nachzukommen, plant die Verwaltung einen beispiellosen Kahlschlag bei sozialen Präventionsangeboten. Besonders der Kinder- und Jugendförderplan soll gekürzt werden.
Studien belegen: Heute sparen bedeutet morgen draufzahlen
Die Linke kritisiert diese Pläne nicht nur als moralisch verwerflich, sondern auch als ökonomisch kurzsichtig. Studien des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) sowie Kosten-Nutzen-Analysen der Bertelsmann Stiftung belegen das sogenannte „Präventionsparadoxon“.
„Gerade, weil präventive Arbeit Probleme verhindert, bevor sie sichtbar werden, wird sie in Haushaltsdebatten oft fälschlicherweise als `verzichtbar` eingestuft.“, kritisiert Siri Stölter, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Dinslaken.
„Die Einstufung zahlreicher Leistungen wie zum Beispiel Kita-Trägeranteile oder Demenzarbeit als `freiwillig´ sehen wir als hochproblematisch an. Was rechtlich ´freiwillig´ ist, ist gesellschaftlich oft essenziell. Die Herabstufung auf ´Priorität B oder C´ entzieht der sozialen Arbeit die Planungssicherheit und wälzt das Haushaltsrisiko auf Wohlfahrtsverbände und am Ende auf die Bürger*innen ab.“
Die Forschung zeigt, dass jeder in die Primärprävention investierte Euro der Gesellschaft langfristig bis zu sieben Euro an Folgekosten für spätere Kriseninterventionen, teure stationäre Jugendhilfe und Gesundheitsleistungen erspart.
Bildungs- und Teilhaberisiken: Laut dem Inklusionsbarometer Jugend erhöhen Kürzungen bei der Schulsozialarbeit nachweislich das Risiko für Schul- und Ausbildungsabbrüche sowie soziale Isolation, was die Stadt langfristig durch höhere Transferleistungen belasten wird.
Psychische Gesundheit: Aktuelle Daten des Präventionsradars (2025) verdeutlichen, dass der Wegfall von Schutzräumen und stabilisierenden Strukturen zu einer massiven Zunahme psychischer Belastungen bei jungen Menschen führt; eine Entwicklung, der Dinslaken durch die Streichung der aufsuchenden Arbeit schutzlos ausgeliefert wäre.
Der Dinslakener Kahlschlag, im Detail die geplanten Streichungen, trifft genau jene Bereiche, die laut Forschung die höchste präventive Rendite erzielen:
Aufsuchende Jugendarbeit: Die vollständige Streichung zerstört die Brücke zu Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen.
Schulsozialarbeit an Grundschulen: Die Reduzierung gefährdet die frühzeitige pädagogische Unterstützung, die für den späteren Bildungserfolg essenziell ist.
Offene Türen (GOT): Kürzungen bei den Betriebskosten entziehen den Stadtteilen wichtige soziale Ankerpunkte.
„Demokratie beginnt bei den Jüngsten. Diese Kürzungen sind sozial und politisch ein Irrweg“, ergänzt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexandra Schweer. „Jeder Euro, der heute in der niederschwelligen Prävention wegfällt, wird uns in wenigen Jahren in Form von deutlich höheren Kosten bei den Hilfen zur Erziehung oder in der Krisenintervention wieder begegnen. Einsparungen bei der Jugend sind keine Konsolidierung, sondern eine Hypothek auf die Zukunft unserer Stadt. Wenn das Fachpersonal erst einmal weg ist und die Träger ihre Strukturen abgebaut haben, kostet der Wiederaufbau dieser Kompetenz Jahre und Millionen.
Anstatt in Dauerschleife an unsere Bürger*innen zu appellieren, den Gürtel immer enger zu schnallen sowie Kinder und Jugendlichen ihrer Rechte zu berauben, müssen städtische Unternehmen ihrer kommunalen Verantwortung gerecht werden: Gewinne und insbesondere der STEAG-Verkaufserlös gehören in deutlich größerem Umfang in die Stadtkasse – und die Stadtspitze muss das gegenüber den Stadtwerken verbindlich durchsetzen.“
Unter der Losung „Soziale Gerechtigkeit statt Rotstift“ fordert Die Linke den Rat der Stadt auf, den Haushaltsentwurf in dieser Form abzulehnen und stattdessen:
Präventionsketten zu erhalten: Keine Kürzungen bei der Schulsozialarbeit und Streetwork, um langfristige Folgekosten für die Stadtkasse zu vermeiden.
Alternative Einnahmen zu prüfen: Statt Kinder- und Jugendzentren zu schwächen, müssen starke Schultern – etwa durch eine Anpassung der Gewerbesteuer – mehr zur Konsolidierung beitragen.
Echtes Lobbying beim Land: Die Stadtspitze muss gegenüber dem Land NRW unmissverständlich klarstellen, dass eine Konsolidierung auf Kosten der schwächsten Bürger*innen keine Lösung ist.

