Integration kostet Geld, Ausgrenzung kostet mehr Die Linke Dinslaken zu den Kürzungen des Bundes bei Sprach- und Beratungsangeboten
Für Integrationskurse stehen im Bundeshaushalt 2026 noch rund 1,064 Milliarden Euro zur
Verfügung. Im Entwurf für 2027 sind es 590 Millionen, ein Minus von rund 44,5 Prozent. Was das
vor Ort bedeutet, zeigt sich in Dinslaken: Ob die vom Bund geförderte Asylverfahrensberatung der
Diakonie im kommenden Jahr weitergeführt werden kann, wissen die Beteiligten frühestens zum
Jahresende.
Die Linke Stadtverband Dinslaken kritisiert diese Praxis scharf. „Jedes Jahr dieselbe Hängepartie,
jedes Jahr dieselbe Frage, ob man im Januar noch einen Arbeitsplatz hat“, sagt
Stadtverbandssprecher Detlef Fuhg. „So kann man keine Beratungsstelle führen und erst recht
keine Fachkräfte halten. Wer gute Arbeit will, muss sie dauerhaft finanzieren und nicht von
Projektantrag zu Projektantrag.“
Besonders kritisch sieht Die Linke, dass ausgerechnet bei Sprache gekürzt wird. Sprache sei die
Voraussetzung für alles Weitere, für Ausbildung, Arbeit, Elternabende, Arztbesuche und
Nachbarschaft.
„Wir reden seit Jahren darüber, dass Integration gelingen muss, und streichen dann die Mittel für
genau das Instrument, das sie möglich macht“, so Fuhg. „Das ist keine Sparpolitik, das ist
organisierte Fehlplanung. Was heute an Sprachkursen gestrichen wird, zahlen wir später doppelt, in
Arbeitslosigkeit, in Krankheitskosten, in verpassten Chancen.“
Die Linke weist darauf hin, dass die Zahlen in Dinslaken die gängigen Erzählungen nicht stützen.
2025 kamen 137 schutzsuchende Menschen in die Stadt, in diesem Jahr bisher 149. Das sei eine
Größenordnung, die eine Stadt wie Dinslaken bewältigen kann, wenn Bund und Land die Angebote
verlässlich finanzieren.
Mit Sorge sieht der Stadtverband zudem die Beobachtung der Diakonie, dass die Toleranz in der
Gesellschaft abnehme und soziale Angebote zunehmend hinterfragt würden. „Wenn Beschäftigte in
der Beratungsarbeit sich fragen, ob ihre Stelle politisch noch gewollt ist, dann ist etwas ins
Rutschen geraten“, sagt Fuhg. „Diesen Beschäftigten gilt unsere ausdrückliche Solidarität.“
Die Linke fordert, die Mittel für Integrationskurse und Beratungsstellen im Bundeshaushalt 2027
wieder aufzustocken, die Projektförderung durch eine mehrjährige Regelfinanzierung zu ersetzen
und Tarif- und Sachkostensteigerungen vollständig auszugleichen. Zugleich erinnert der
Stadtverband daran, dass bezahlbarer Wohnraum in Dinslaken für alle fehlt, für Geflüchtete ebenso
wie für Alteingesessene. „Das ist kein Verteilungskampf zwischen Arm und Ärmer“, so Fuhg. „Das
ist ein Versäumnis der Politik, und zwar seit Jahrzehnten.“
